Theologische Exkursion des ERk31 zur Theologischen Fakultät und zur katho Paderborn – ein Reisetagebuch


Vom 10.01 bis zum 11.01 haben wir, der ERk31 von Frau Lühn, eine Exkursion unternommen und beschlossen, uns den Studien-Standort Paderborn mal etwas genauer anzusehen.

Nach einer zweistündigen Fahrt nach Paderborn und einem kurzen Einrichten in der Jugendherberge war die Theologische Fakultät unser erster Stopp. Dort begrüßte Rektor Professor Aaron Langenfeld uns in einem Seminarraum.  Der Lehrstuhlinhaber für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft  zeigte uns in seinem Vortrag „Warum Kirche? Wege aus der Dauerkrise der katholischen Kirche“ mögliche Wege der katholischen Kirche aus der durch Missbrauch und Machtproblemen ausgelösten Krise und dem auch daraus resultierenden Schwinden des Glaubens auf. Insbesondere die Verantwortung der Kirche für den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben wir dabei diskutiert, wobei sich jeder eingebracht hat.  

Als erstes wurden wir dabei mit der Frage konfrontiert, ob es die Kirche überhaupt braucht. Uns ist aufgefallen, dass es verschiedene Arten von „brauchen“ gibt und wir haben herausgearbeitet, dass Kirche eine schwache Notwendigkeit ist: Wir brauchen sie zwar nicht wie Essen und Trinken zum Über-leben, aber sie verhilft uns zu einem erfüllten Leben. 

Zudem haben wir gelernt, dass Vertrauen der Kern des Glaubens ist: Vertrauen, dass wir getragen werden, Vertrauen, dass das Leben im Grunde gut ist. Damit zusammenhängend haben wir uns mit dem Projekt der Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom beschäftigt, worin es um ein gutes System zur gemeinsamen gerechten Nutzung von Ressourcen geht. Das Belohnungs- und Bestrafungssystem, welches die Politik anwende, sei nicht erfolgreich. Stattdessen sei Vertrauen der Schlüssel zur gerechten Aufteilung von Ressourcen. Je bekannter Menschen einander seien, desto geringer sei ihre Bereitschaft, die anderen zu betrügen oder ihnen etwas wegzunehmen. Wir haben uns gedacht: Kirche könnte dieser Raum sein, Kirche könnte der Raum sein, Vertrauen zu schaffen. Wie dies geschehen kann, haben wir anschließend intensiv diskutiert. Zwei wichtige Punkte darunter waren, dass engagierte Akteure dazu benötigt werden und die vielen Immobilien der Kirche als Räume zum Vertrauen und Gemeinschaft schaffen genutzt werden sollten. 

So haben wir in dieser Kurzvorlesung viele interessante neue Anregungen und Gedanken zum Weiterdenken bekommen, die uns nicht nur für unser Abitur hilfreich sein können.  

In der zweiten Vorlesung „Warum Verantwortung übernehmen? Christlicher Glaube und die Krisen der Gegenwart.“ von Professor Wilhelms wurde die Kirchenkrise aus der Perspektive der christlichen Sozialethik und die Gesellschaftslehre beleuchtet. Die Frage, warum man in unserer Gegenwart für christlichen Glauben und Krisen Verantwortung übernehmen sollte, dominierte den Vortrag. Als Impuls haben wir uns das Zitat von Goehte aus dem „Zauberlehrling“ angesehen: “Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister,  Werd’ ich nun nicht los.”. Dieses Zitat bezog Prof. Wilhelms auf die momentanen Krisen, welche teilweise von der Kirche hervorgerufen würden. Prof. Wilhelms hat uns durch viele Zitate die aufgeworfene Problematik dargestellt und neue Gedankenwege eröffnet. So stellte er anhand des Buches “Demokratie braucht Religion” von Hartmut Rosa eine neue, ganz andere Grundhaltung, die des hörenden Herzens, vor. Diese bedeute, dass wir lernen müssten, anderen wirklich zuzuhören. Dies ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse des Vortrags, welche Teil von unser aller Leben werden sollte. Zuhören ist etwas, was wir leider meist verlernt haben, echtes Zuhören ist eine wundervolle Gabe. Im weiteren Verlauf des Vortrags stellte Professor Wilhelms Thesen zur Zukunft der Kirche auf. Sie habe seiner Ansicht nach drei Möglichkeiten, um den Menschen heutzutage dienen zu können: 1. Sie müsse die Evangelien den Menschen näherbringen und von den konservativen Wegen abrücken. 2.  Sie sollte Rituale, Sakramente und Gottesdienste mit dem Sinn zur Veränderung weiterleben, um Hoffnung zu geben. 3. Die Gemeinschaft sei eine wichtige Instanz, um die Kirche im Hinblick auf Gesellschaft und Politik zu reformieren. Die diskutierte gemeinsame Sehnsucht und Hoffnung auf Veränderung nehmen wir mit nach Hause und hoffen, unseren Teil beizutragen. Einen herzlichen Dank Professor Wilhelms, dessen Denkanstöße sicherlich Teil in unseren Abiturprüfungen sein wird.

Im Anschluss an die Vorlesungen hat uns Frau Maas durch die Räumlichkeiten der Theologischen Fakultät geführt. Trotz der schönen alten Fassade des ursprünglichen Jesuitenuniversität, die auf das Alter des Gebäudes (Entstehung der Hochschule 1614) hinweist, ist die Fakultät technisch fortschrittlich ausgestattet. Das Gebäude hat seinen altmodischen Charme trotzdem nicht verloren und weist einige Räume, zum Beispiel die Hörsäle, auf, die die ursprüngliche Bauweise des Gebäudes trotz technischer Ergänzungen, widerspiegelt. 

Zum jetzigen Zeitpunkt sind 90 Studierende an der Fakultät eingeschrieben, um ihren Magister in Theologie in 10 Semestern zu absolvieren. Dadurch ist die Studierendenzahl in einem Semester meistens unter 10 Personen, wie uns eine Studentin aus dem 9.Semester berichtete, in welchem momentan 7 Studierende sind. Dies führt zu einer persönlicheren Beziehung unter den Studierenden und zu den Professor*innen. 

Zusätzlich zu den Theologiestudierenden, besuchen auch Studierende der Universität in Paderborn die Fakultät für Ethik- und Philosophievorlesungen.  

Zum Gelände der Fakultät gehört zusätzlich zu einem kleinen Park auch eine eigene Präsenzbibliothek, in der die Studierenden mithilfe vieler Fachbücher gemeinsam arbeiten können. In dem Bibliotheksgebäude befindet sich auch das Auditorium Maximum, in dem jede Woche Vorlesungen zu bestimmten Themen stattfinden, die man sich online auf der Homepage der Fakultät ansehen kann. Außerdem liegt die Fakultät zentral, sodass man von ihr innerhalb weniger Minuten in der Innenstadt Paderborns und beim Paderborner Dom sein kann. 

Sehr interessant war die Besichtigung des Doms am Mittwochnachmittag. Von innen sowie von außen ist er ein beeindruckendes Gebäude. Frau Albers gab uns bei dem Rundgang viele interessante Informationen über den bekannten Schrein des heiligen Liborius, welcher sich in der Krypta befindet. Einmal im Jahr wird dieser bei den Liborifeierlichkeiten unter Bewachung und Schutz durch Paderborn getragen. Am bekanntesten ist jedoch das Hasenfenster, welches wir ebenfalls besichtigen konnten. Das Besondere an diesem Fenster ist die Darstellung von drei Hasen, welche jeweils ein Ohr besitzen. Durch die Dreiecksanordung sieht es jedoch aus, als hätte jeder Hase zwei Ohren. Dieses Kunstwerk zeigt, dass nur durch das Zusammenspiel der drei Hasen, jeder einzelne Hase vollendet werden kann. Bezogen wird dieses Kunstwerk auf die Dreifaltigkeit Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist, bei welcher jede Kraft zwar alleine steht, aber mit dem Zusammenwirken allein, ein Ganzes: Gott ergibt. Zum Schluss konnten wir ebenfalls die Krippe betrachten. Besonders interessant war die Gestaltung dieser, da jedes Jahr eine Holzfigur der Gegenwart mit in die Krippe eingebunden wird. Dabei war sogar ein SC Paderborn Fan! Insgesamt war dies eine sehr interessante Exkursion mit vielen neuen Erfahrungen.

Am Donnerstag, den 11.01.24 besuchten wir die katho – die katholische Hochschule NRW Abteilung Paderborn. Nachdem wir freundlich von Professorin Bergit Peters empfangen wurden, ging es um 10 Uhr los. Wir durften uns eine Vorlesung von Professor Wilhelm Tolksdorf zum Thema „Pastoral neu denken und gestalten – Berufliches Handeln angesichts offener Zukunft“ zusammen mit Studierenden anhören. Thematisch knüpfte er an die Vorlesungen des Vortags an, indem die Zukunft der Kirche zur Sprache gebracht und die Grundsätze der praktisch-theologischen Futurologie näher erläutert wurde. Es wurde sich mit der Frage auseinandergesetzt, was die Zukunft der Kirche bringen wird. In Verbindung mit dieser Frage wurde sich damit beschäftigt, was an Prognosen, Statistiken etc. bereits aus der Gegenwart gelesen werden könne. Dabei stand der Begriff „Pastorale Soziologie“ im Mittelpunkt, welcher die Frage nach Sinnzusammenhängen in Bezug auf Statistiken und christliche Ereignisse beschreibt. Im weiteren Verlauf wurde Bezug auf die Kirchenkrise genommen, welche eine Herausforderung für die beruflichen Zukunft der kirchlichen Mitarbeiter*innen darstellt. In Verbindung damit zeigte Prof. Tolksdorf die alten Gewohnheiten und Veränderungen der Kirche erneut auf, um sie auf die Zukunft der Kirche zu beziehen. Zum Ende wurden Arbeitsthesen für die zukünftige Arbeit an der Kirche aufgestellt. 

Danach hatten wir erst einmal eine lange Pause und durften das Gelände selbst erkunden. Wir fingen mit der Mensa an. Hier gibt es täglich ab 12 Uhr Mittagessen zu kleinen Preisen für Studierende. Das probierten wir auch selber aus. Nach dem Essen bestand Herr Bethke, der uns auch an beiden Tagen begleitete, darauf, einen kleinen Spaziergang rundum das Gebäude zu machen. Gesagt, getan. Wir fingen am Eingang an und liefen vorerst über die Parkplätze hinter das Gebäude. Dort fanden wir einen wunderschönen kleinen Park, in dem es unter anderem die Möglichkeit gibt, Unterricht im Freien zu machen. Außerdem entdeckten wir einen Fußballplatz und vieles mehr. Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, sich im Sommer auch zwischendurch mit was anderem zu beschäftigen als nur mit seinem Studium.

Am Donnerstagnachmittag stand nun als letzter Punkt der Exkursion ein Vortrag unserer Religionslehrerin Frau Lühn auf dem Plan. Im Fokus standen hier die im Leistungskurs Religion angefertigten biblischen Erzählfiguren und deren Einsatz im Unterricht. Großes Interesse herrschte unter den Studierenden vor allem an den „Gesichtern hinter den Figuren“ – d.h. an den Herstellerinnen – und wie diese auch in der Oberstufe altersgemäß eingesetzt werden können. Nach einem ersten theoretischen Einstieg über die curricularen Vorgaben und die Elementarisierung des Unterrichtsinhaltes wurde die Methode der „Biblischen Erzählfiguren“ erklärt. Hier konnten wir Schülerinnen selbst zur Tat schreiten und den Studierenden unsere Gedanken bei der Entstehung der Figuren mitteilen. Vor allem die Individualität der Erzählfiguren und deren Funktionsweise, um beispielsweise Gleichnisse dem Lernenden zu vermitteln, gerieten dabei in den Vordergrund. Dies konnten die Studierenden im Anschluss selbst ausprobieren, und so fanden wir uns alle zusammen am Ende der Stunde vor einer Verbildlichung des Gleichnisses ,,Der barmherzige Samariter“ wieder. Hierbei wurde schnell klar, dass sowohl die Schülerinnen als auch die Studierenden sich besser in das Gleichnis eindenken und eine aussagekräftige Visualisierung erschaffen konnten. Somit war auch die letzte Vorlesung der Exkursion ein voller Erfolg! 

Nachdem der Vortrag beendet war, zeigten uns Professorin Peters und Frau Menzel durch die Flure der Hochschule und erzählten uns noch generell etwas zum Studium an der katho. Neben dem Studiengang „Angewandte Theologie“ können hier auch die Studiengänge „Sozial Arbeit (B.A., dual und M.A.)“, „Kindheitspädagogik (dual)“, „Sozialmanagement (M.A.) und „Ehe-, Familien- und Lebensberatung (Master of Counseling)“ studiert werden. Es gibt außerdem die Möglichkeit, an den verschiedenen Vorlesungen auch online teilzunehmen. Selbst für Klausuren müsse der Weg nach Paderborn nicht angetreten werden, diese seien auch online möglich. Insgesamt gibt es hier ungefähr 1000 Studierende.

Wir konnten also viel über Paderborn und über seine Studien-Standorte erfahren und freuen uns über die neuen Eindrücke. Wir bedanken uns bei Frau Lühn für Ihre großen Mühen und das Vorbild des hörenden Herzens, auch Herr Bethke verdient Dank für seine große Geduld mit uns, ebenso war Frau Albers eine gute Stadtführerin und eine super Begleitung.



Weitere Beiträge

  • Friedensklänge der Lingener Schulen am 25. Februar

    Friedensklänge der Lingener Schulen am 25. Februar

    In einer von Krieg, Zerstörung und Leid immer mehr geprägten Welt setzen knapp 200 Schülerinnen und Schüler ein gemeinsames Zeichen für den Frieden. Herzlich laden die weiterführenden Schulen aus Lingen gemeinsam in die St. Bonifatius Kirche dazu ein, durch “Friedensklänge” gemeinsam an eine friedlichere Welt zu glauben.

  • Theaterstück des Seminarfachs Darstellendes Spiel inspiriert und begeistert

    Theaterstück des Seminarfachs Darstellendes Spiel inspiriert und begeistert

    Wenn das Seminarfach Darstellendes Spiel zur Werkstattaufführung lädt, ist ein abwechslungsreicher, unterhaltsamer und spannender Abend garantiert. Was passiert, „wenn Kleidung Geschichten erzählen könnte…“? Davon berichtet Charlotte Mack, die sich das Stück angesehen hat.

  • Buchführung, Marketing und Personal:  Angehende Abiturienten schlüpfen in die Rolle von Unternehmern beim Planspiel MIG

    Buchführung, Marketing und Personal: Angehende Abiturienten schlüpfen in die Rolle von Unternehmern beim Planspiel MIG

    Wie hoch sollte die Eigenkapitalquote sein? Ist kurzfristige Mehrarbeit verantwortbar? Lohnt sich im Urlaubsquartal eine Investition ins Anlagevermögen? Fragen, die über den regulären Lehrplan hinausgehen, haben sich eine Gruppe engagierter und motivierter „Jungunternehmer“ aus dem Jahrgang 12 während einer Planspielwoche beim ,,Management Information Game” gestellt.

  • Die Magie der Physik im Experiment des Monats Januar

    Die Magie der Physik im Experiment des Monats Januar

    Im Januar ging das Experiment des Monats in eine neue Runde, das monatlich vom Seminarfach Naturwissenschaften im Physikraum vorgeführt wird. Dieses Mal luden Maya Küpker und Johanna Schlie dazu ein, sich von der Physik und dem verzaubern zu lassen.