Das Duo NIHZ am FG – eine jüdische Begegnung


Am Montag, dem 07.02.2022, durfte das Franziskusgymnasium besondere Gäste im Forum begrüßen. Das Künstlerduo NIHZ aus Nordhorn hielt einen ganzen Vormittag lang vor insgesamt 130 Elftklässlern Vorträge, in denen Bobby Rootveld und Sanna van Elst nicht nur interessantes Wissen darüber vermittelten, wie (unterschiedlich) die jüdische Religion und jüdische Traditionen heute gelebt werden, sondern sie nahmen die Schülerinnen und Schüler auch auf eine musikalische Reise mit.

Die beiden studierten Musiker spielten verschiedene Stücke aus dem Repertoire der Klezmermusik, die bei den Jugendlichen großen Anklang fanden. Bobby Rootveld berichtete anschließend von seiner Familiengeschichte, die er bereits seit 25 Jahren erforscht. Er erzählte unter anderem von seinem Großvater Samson Rootveld, der aus einer Familie von Diamantenschleifern in Amsterdam stammte und als einziger der Familie– versteckt auf einem Bauernhof in den Niederlanden – die Shoa überlebte. Nicht nur der Lebensweg des Großvaters, sondern das Schicksal weiterer Verwandter wird anschaulich erzählt. Mehr als 100 Mitglieder der Familie wurden in der Shoa getötet.

Die SchülerInnen sahen Fotos der Familie, lernten die Gesichter und persönlichen Hintergründe kennen und bekamen so einen empathischen Zugang zu den schrecklichen Ereignissen. Ein Forschungsschwerpunkt des Duos NIHZ sind Lieder, die in den Konzentrationslagern geschrieben und gesungen wurden. Als die beiden das Lied „Das Ende“ spielen, das angesichts der unmittelbar bevorstehenden Ermordung in der Gaskammer geschrieben und getextet wurde, war es sehr still im Forum – das Gefühl der absoluten Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit war für alle Anwesenden sehr bedrückend.

Im letzten Teil des Vortrags stand die Frage im Mittelpunkt, warum es so wichtig sei, sich mit der jüdischen Kultur und dem Holocaust zu beschäftigen. Anhand aktueller Beispiele aus der Region wurde den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass Antisemitismus präsent und wieder salonfähig geworden ist. Er begegnet uns im Alltag in Form von Hakenkreuzen auf Straßenschildern, in antisemitischen Witzen und Memes. Familie Rootveld berichtete aber auch von körperlichen Übergriffen und Bedrohungen, die sie selbst erlebt hatten.
Den jugendlichen Zuhörern wurde bewusst, wie aktuell das Thema Antisemitismus leider immer noch ist und das jeder aufgefordert ist, nicht wegzuschauen, sondern antisemitische Vorfälle zu melden. Ein Schüler bringt es im Gespräch nach dem Vortrag auf den Punkt: „Erschreckend, danach überlegt man noch lange.“ Aber es sind nicht nur die aktuellen Beispiele von Antisemitismus, die lange im Kopf bleiben, sondern auch die Fotos der Familie Rootveld und ihre Ermordung in den Vernichtungslagern. Insbesondere das ungeklärte Schicksal des kleinen Maurice wirft viele Fragen auf und weckte bei den SchülerInnen den Wunsch, informiert zu werden, sofern es mit Hilfe einer DNA-Datenbank neue Erkenntnisse gibt. Gleichzeitig wurde bei anderen das „Interesse geweckt, die eigene familiäre Vergangenheit in der Nazizeit zu hinterfragen.“

Wir möchten uns abschließend bei Sanna van Elst und Bobby Rootveld von Herzen für den Vortrag, die Musik und den Austausch bedanken. Es war eine Begegnung, die sehr nachdenklich gemacht und tief bewegt hat. Und die wir gerne wiederholen würden!



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