Zoo-Exkursion und Tierethik im Dialog: Jahrgang 13 blickt auf Primaten, Artenschutz und Verantwortung


Im Herbst 2025 haben sich die Schülerinnen und Schüler der E-Kurse Biologie des Jahrgangs 13 intensiv mit dem Thema Tierverhalten und Tierethik auseinandergesetzt. Zwei besondere Veranstaltungen – eine Exkursion in den NaturZoo Rheine und ein Expertengespräch mit dem Zoo-Direktor des Zoos Nordhorn – ergänzten den Unterricht auf anschauliche Weise und eröffneten spannende Perspektiven auf Artenschutz, Haltung und den menschlichen Blick auf Tiere.

Beobachtung geschlechtsspezifischen Verhaltens im NaturZoo Rheine

Am 1.10.2025 unternahm der E-Kurs Biologie eine Exkursion in den NaturZoo Rheine, um geschlechtsspezifische Verhaltensweisen von Primaten zu beobachten und zu dokumentieren. Als besonders geeignet erwies sich die dort lebende große Dschelada-Population (auch Blutbrust-Paviane genannt). Männchen und Weibchen sind bei dieser Art deutlich zu unterscheiden: Die Männchen sind größer und schwerer und tragen zudem ein längeres Fell.
Während des Besuchs konnten die Schülerinnen und Schüler typische Verhaltensmuster beobachten: Das Männchen hielt sich häufig an einer erhöhten Position auf und behielt seine Weibchen beschützend im Blick. Die Weibchen wiederum waren intensiv mit der Betreuung der Jungtiere sowie mit gegenseitiger Fellpflege beschäftigt. Diese Sozialstruktur lässt sich auch durch den natürlichen Lebensraum der Dscheladas erklären: In gut einsehbaren Bergregionen ist es dem Männchen möglich, eine Gruppe Weibchen gegen andere Männchen zu verteidigen. Besonders auffällig war zudem – vor allem im Vergleich zu den Gibbons – die variantenreiche Mimik der Dscheladas.

Auch der Aspekt des Artenschutzes spielte eine wichtige Rolle: Da Dscheladas in ihrem äthiopischen Herkunftsgebiet bedroht sind, sorgt das Europäische Erhaltungszucht-Programm (EEP) für den Erhalt einer genetisch vielfältigen Zoo-Population. Die Koordination des EEP sowie des internationalen Zuchtbuchs für Dscheladas liegt beim NaturZoo Rheine.

Tierethik im Austausch mit Zoo-Direktor Dr. Nils Kramer

Am 27.10.2025 luden die E-Kurse Biologie von Frau Arends und Frau Hagedorn sowie der E-Kurs Religion von Frau Geissing den Zoo-Direktor des Zoos Nordhorn, Herrn Dr. Nils Kramer, zu einem Gespräch ein. In seinem Besuch gab er einen umfassenden Überblick über die historische Entwicklung des menschlichen Blicks auf Tiere: Während Tiere zunächst religiös als Mitgeschöpfe verstanden wurden, setzte sich im Laufe der Geschichte zunehmend eine Sichtweise durch, die Tiere eher als Sache behandelte. Diese Perspektive spiegelt sich – trotz wichtiger Schutzgedanken – auch im aktuellen Bürgerlichen Gesetzbuch wider.

Herr Dr. Kramer verdeutlichte außerdem, wie schwierig es ist, menschliche Vorstellungen von Freiheit auf Tiere zu übertragen. Wildtiere seien in ihren natürlichen Lebensräumen heute häufig durch menschliche Eingriffe stark eingeschränkt – etwa durch Brandrodung, Abholzung von Regenwäldern oder Überfischung. Gleichzeitig zeigte er auf, dass Gehege je nach Tierart als sicherer Raum wahrgenommen werden können, ohne dass ein „Streben nach Freiheit“ in menschlichem Sinne entstehen müsse. Der zentrale Maßstab bleibe daher eine verantwortungsvolle und fachlich fundierte Haltung, die das Wohl der Tiere und den Artenschutz ernst nimmt.

Abschließend stellte Herr Dr. Kramer konkrete Artenschutzprojekte des Zoos Nordhorn vor. Besonders beeindruckte die Schülerinnen und Schüler das Engagement für den Amurleoparden, bei dem durch gezielte Zuchtprogramme die genetische Vielfalt gesichert wird. Ebenso überzeugte das Projekt zur Ansiedlung von Gartenschläfern im Thuiner Wald. Die Begeisterung war so groß, dass aus drei Kursen schließlich 35 € für den Artenschutz an den Zoo gespendet wurden.

Ein gelungener Einblick in Biologie, Ethik und Verantwortung

Beide Veranstaltungen zeigten eindrucksvoll, wie eng biologische Forschung, Tierethik und Artenschutz miteinander verbunden sind. Der direkte Blick auf das Verhalten der Dscheladas und das reflektierende Gespräch mit einem Experten machten deutlich, dass der Umgang mit Tieren sowohl wissenschaftliche Beobachtung als auch verantwortungsbewusste Bewertung verlangt. Für die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 13 war dies eine lehrreiche und motivierende Ergänzung zum Unterricht – mit einem wichtigen Impuls für nachhaltiges Denken und Handeln.



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