Vom 06.01. bis zum 07.01. unternahmen wir, der ERe31-Kurs von Frau Geissing, gemeinsam mit dem Re31-Kurs von Herrn Schmidt unter Begleitung von Frau Lühn und Herrn Bethke, eine Exkursion nach Paderborn. Ziel der zweitägigen Fahrt war es, die Studentenstadt kennenzulernen und Einblicke in das theologische Studium zu gewinnen. Dazu besuchten wir die Theologische Fakultät Paderborn sowie die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho).

Ein zentraler Programmpunkt war der Besuch der Theologischen Fakultät, die eng mit dem Erzbistum Paderborn verbunden ist und für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben steht. Wir erhielten einen allgemeinen Eindruck vom theologischen Studium und von der Bedeutung Paderborns als kirchlichem Bildungsstandort.
Auch die Katho stellt einen wichtigen Teil des Bildungsangebots der Stadt dar. Sie vertritt ein christliches Menschenbild und verbindet akademische Ausbildung mit sozialen, gesellschaftlichen und praktischen Aufgabenfeldern. Der Besuch machte deutlich, dass christliche Werte in Paderborn nicht nur theoretisch vermittelt, sondern auch im Alltag und im sozialen Engagement gelebt werden.

Ein weiterer Höhepunkt war die Besichtigung des Paderborner Doms. Neben seiner architektonischen Bedeutung lernten wir das Hasenfenster kennen, dessen Darstellung die Dreifaltigkeit Gottes symbolisiert, d.h. die Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist, die drei Personen und dennoch ein Gott sind. Es zeigt drei Hasen, welche sich jeweils ein Ohr teilen, in einer kreisförmigen Dreiecksanordnung und obwohl insgesamt nur drei Ohren zu sehen sind, scheint jeder Hase zwei Ohren zu besitzen. Zudem betrachteten wir die modern gestaltete Krippe, die durch zeitgenössische Figuren einen Bezug zur heutigen Lebenswelt herstellt und verdeutlicht, dass christlicher Glaube auch gegenwärtig relevant ist. Insgesamt zeigt der Paderborner Dom eindrucksvoll, wie eng Geschichte, Glaube und Gemeinschaft in der Stadt miteinander verbunden sind.


Nach der Besichtigung des Doms wurden wir an der Katho herzlich begrüßt und über das grundsätzliche Studienangebot informiert. Anschließend konnten wir an selbst ausgewählten Vorlesungen teilnehmen. Dabei erhielten einige von uns Einblicke in reguläre Lehrveranstaltungen, während andere an speziell für uns veranstalteten Vorlesungen teilnahmen. Vorgestellt wurden unter anderem die Studiengänge Soziale Arbeit (klassisch und dual), Kindheitspädagogik (dual) sowie Angewandte Theologie, die auch als Fernstudium möglich ist und theologische Grundlagen mit praktischer Ausrichtung vermittelt. Die katho ist eine staatlich anerkannte Hochschule in kirchlicher Trägerschaft mit mehreren Standorten (Paderborn, Aachen, Köln und Münster).
Am Abend ließen wir alle gemeinsam den Tag im Roadhouse bei leckeren Getränken und Snacks in gemütlicher Atmosphäre ausklingen.
Am zweiten Tag besichtigten wir die Theologische Fakultät, die 1614 als Jesuitenuniversität gegründet wurde. Heute lehren dort 15 Professoren sowie weitere Mitarbeitende. Angeboten wird unter anderem das Magisterstudium (10-semestrig) der katholischen Theologie, welches eine Art Gesamtpaket von Bachelor- und Masterstudium darstellt, sowie weiterführende akademische Abschlüsse.
Der Magisterabschluss ist staatlich und kirchlich anerkannt und eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven, wie etwa die Arbeit als Pastoralreferent oder Pastoralreferentin oder in der Seelsorge. Auch zunächst unerwartete Werdegänge, wie die Arbeit in der Wirtschaft oder dem Auswärtigen Amt sind möglich. Dieser Abschluss ist zudem Voraussetzung für den Zugang zu geistlichen Ämtern wie dem Priester- oder Bischofsamt. Zum Studium gehören die theologischen Hauptdisziplinen (Biblische Theologie, Historische Theologie, Systematische Theologie, Praktische Theologie und Philosophie) sowie das Erlernen der Alten Sprachen (Altgriechisch, Latein, Hebräisch). Die Fakultät verfügt zudem über gut ausgestattete Bibliotheken und zeichnet sich durch ein persönliches Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden aus.
Nachdem wir von Frau Bohn freundlich begrüßt worden waren, begann um 10 Uhr die erste Vorlesung bei Professor Dr. Michael Konkel zum Thema „Was ist der Mensch? – die biblische Perspektive“. Anhand der beiden Schöpfungserzählungen (Gen 1,1–2,3 und Gen 2,4–3,24) stellte er das biblische Menschenbild dem altorientalischen gegenüber. Während im Alten Orient der Mensch als Sklave der Götter verstanden wird und nur der König eine herausgehobene Stellung besitzt, betont Gen 1, dass alle Menschen als Ebenbild Gottes geschaffen sind. Die Aussage, dass der Mensch am sechsten Tag erschaffen wurde, verdeutlicht die besondere Würde des Menschen, da er so „die Krone“ der Schöpfung darstellt. Die zentrale Botschaft dieser Schöpfungserzählung ist, dass alle Menschen „zu Königen gemacht“ sind und somit gleichwertig Verantwortung für die Welt tragen. Anhand der Deutung des Begriffs „Herrschen“ erklärte er, dass dieser nicht Unterdrückung oder Ausbeutung meint, sondern verantwortungsvolles Gestalten und Bewahren der Erde. Veranschaulicht wurde dies durch das Bild eines Königs, der seinen Fuß schützend auf ein Tier setzt. Der Mensch ist somit als Vertreter Gottes dazu berufen, die Erde als „Lebenshaus für alle“ zu erhalten. Zudem wurde betont, dass das biblische Menschenbild Männer und Frauen gleichermaßen einschließt und den Menschen stets als Ganzes versteht. Abschließend beantwortete Prof. Dr. Konkel unsere Fragen.

Im anschließenden Vortrag zur Theodizee-Frage ging Prof. Dr. Dr. Bernd Irlenborn der Frage nach, ob das Übel in der Welt mit dem Glauben an einen guten und allmächtigen Gott vereinbar ist.
Zunächst erläuterte uns der Professor den Begriff „Theodizee“. Dieser leitet sich von den griechischen Wörtern theos (=Gott) und dike (=Gerechtigkeit) ab und geht auf Leibniz zurück. Weiter erklärte er, dass sich die Theodizee-Frage nur dann stelle, wenn man an einen Gott glaubt, der die Welt geschaffen hat (creatio prima), sie erhält (creatio continua) und zugleich allmächtig und gütig ist. In der Diskussion um die Theodizee-Frage wird zudem zwischen einer „Theodicy“ und einer „Defense“ unterschieden. Während eine Theodicy ein umfassendes philosophisches System darstellt, versucht eine Defense lediglich die logische Möglichkeit eines Glaubens an Gott trotz der Übel in der Welt aufzuzeigen.
Ein wichtiger Punkt im Vortrag war die Unterscheidung in verschiedene Arten von Übel. Das moralische Übel entsteht durch das Handeln der Menschen, zum Beispiel durch Gewalt oder Ungerechtigkeit. Dieses Übel (=malum morale) gilt als wirklich „böse“, weil es bewusst verursacht wird. Daneben gibt es das natürliche Übel (=malum naturale), etwa Naturkatastrophen oder Krankheiten. Diese sind nicht absichtlich böse, werden aber von Menschen als Leid erfahren.
Anschließend stellte der Professor verschiedene mögliche Erklärungsansätze vor: 1) Gottgegebene Willensfreiheit des Menschen (Menschen können sich für das Gute oder das Böse entscheiden – Übel entsteht also durch menschliche Entscheidungen). 2) Leid kann zur persönlichen Entwicklung beitragen. Eigenschaften wie Mitgefühl, Geduld oder Mut entstehen oft erst durch schwierige Erfahrungen. 3) Im Christentum leidet Gott selbst mit den Menschen. Am Beispiel Jesu wird gezeigt, dass Gott das menschliche Leid teilt. 4) Menschen können nicht alle Gründe Gottes verstehen. Dass wir keinen Sinn im Leid sehen, heißt nicht, dass es keinen gibt. 5) Manche erklären das Übel als Teil eines größeren Gesamtzusammenhangs. Wie in einem Kunstwerk können auch dunkle oder negative Elemente dazugehören, damit das Ganze Sinn ergibt.
Zum Schluss ließ der Professor uns unsere eigene Meinung zu diesem Thema äußern. Man merkte schnell, dass es bei jeder Argumentation auch ein Gegenargument gibt, sodass die Theodizee-Frage bis heute unbeantwortet bleibt. In beiden Vorlesungen haben wir einen interessanten und spannenden Einblick in die Gedankengänge und Arbeit der Theologie erhalten, was nicht nur für unser Abitur hilfreich sein wird, sondern auch zum (Weiter-)denken angeregt hat.
Während unseres Aufenthalts hatten wir außerdem die Möglichkeit, mit Studierenden der Sozialen Arbeit und der Theologie ins Gespräch zu kommen. Sie berichteten von ihren persönlichen Lebens- und Studienwegen und ihrer Motivation. Die Studierenden der sozialen Arbeit berichteten, dass sie in ihrem Lebensverlauf festgestellt hatten, wie wichtig ihnen die Arbeit mit Mitmenschen ist. Viele von ihnen entschieden sich daher nach der Schule oder auch nach einem FSJ für dieses Studium. Da an der Katho und gleichermaßen an der Theologischen Fakultät verhältnismäßig wenig Personen studieren, besteht ein enger Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden, was das Lernen deutlich individueller und effektiver macht.
Die Studierenden der Theologischen Fakultät erzählten, dass sie ebenfalls gerne in Gemeinschaft mit Menschen arbeiten. Dieses Interesse habe sich bei vielen schon früh durch Erfahrungen in Gemeindearbeit oder als Messdienerinnen und Messdiener gezeigt. So spielt der persönliche Glaube für sie eine wichtige Rolle, habe sich jedoch im Laufe des Studiums weiterentwickelt. Durch intensive Auseinandersetzung mit theologischen und ethischen Fragestellungen im Studium konnten sie ihren Horizont erweitern und neue Perspektiven gewinnen. Für ihre Zukunft planen viele der Studierenden eine Tätigkeit als Pastoralreferent oder Pastoralreferentin. Besonders ermutigend war für uns die Botschaft, dass nicht jeder Lebensweg von Anfang an feststehen muss. Viele der Studierenden machten deutlich, dass sie zunächst andere Wege gegangen sind und dennoch ihren Platz gefunden haben.
Insgesamt bot das Gespräch für uns eine wertvolle Unterstützung in unserer eigenen Berufs- und Studienorientierung und zeigte, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, persönliche Interessen, Glauben und soziales Engagement miteinander zu verbinden.
Rückblickend auf die Exkursion nach Paderborn lässt sich festhalten, dass wir viele gewinnbringende Erfahrungen sammeln und nette Bekanntschaften machen konnten.




