Im Rahmen der Unterrichtsreihe zur Ökologie verließ unser Biologie-Leistungskurs die gewohnte Klassenzimmeratmosphäre, um das theoretisch erlernte Wissen direkt unter den Baumkronen des Biener Buschs zu überprüfen. Ergänzend zum Thema stand eine Exkursion auf dem Programm, die von Frau Risse vom NABU geleitet wurde. Durch abwechslungsreiche und spielerische Aktivitäten bekamen wir die Gelegenheit, das komplexe Ökosystem Wald aus einer völlig neuen und faszinierenden Perspektive kennenzulernen.
Mit kleinen Spiegeln ausgestattet, forderten wir unsere Sinne heraus und erlebten den Wald aus einer neuen Perspektive. Den Blick nach oben gerichtet, wanderten wir durch ein scheinbar endloses Blättermeer – ein ungewohnter Perspektivenwechsel, der bei einigen sogar für leichtes Schwindelgefühl sorgte. Außerdem erkundeten wir das „Telefon des Waldes“ und veranschaulichten spielerisch die Leitbahnen der Äste.
Bevor wir jedoch mit der eigentlichen Arbeit beginnen konnten, zog plötzlich ein heftiges Gewitter über den Baumwipfeln auf. Die NABU-Expertin reagierte sofort und erklärte eindringlich die Gefahren eines Gewitters im Wald. Der kurze Schreckmoment sorgte für einen ordentlichen Adrenalinkick und einen schnellen Rückzug. Zum Glück zog das Unwetter rasch weiter, sodass wir unsere Arbeit wenig später erleichtert fortsetzen konnten.




Der Hauptteil unserer Exkursion widmete sich der wissenschaftlichen Praxis: der Kartierung. Um die biologische Vielfalt greifbar zu machen, steckten wir im Unterholz akribisch eine Fläche von exakt 10 x 10 Meter ab. Unsere Aufgabe war es, jede Pflanzenart in diesem Planquadrat präzise zu bestimmen. Dabei stellten wir fest, dass in unserem Waldstück vor allem die Rotbuchen und die Stieleichen das Sagen haben und besonders stark vertreten sind. Nebenbei versuchten wir uns auch als Vogel-Kommunikatoren: mit einer speziellen Vogelpfeife imitierten wir die heimischen Klänge und lauschten gespannt, ob uns die Waldbewohner antworten würden.
Während wir den Waldboden genauer unter die Lupe nahmen, stießen wir auf ein ganz besonderes Exemplar der hiesigen Fauna, das sofort unsere biologische Neugier weckte: die Spanische Wegschnecke. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Nacktschnecke aussah, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als ein Öko-Störfaktor. Bei dieser Art handelt es sich nämlich um eine invasive Art. Sie ist hier nicht heimisch, breitet sich jedoch rasant im Ökosystem aus und verdrängt durch ihre extreme Robustheit und Gefräßigkeit die einheimischen Arten.
Alles in allem war die Exkursion ein voller Erfolg. Sie hat uns vor Augen geführt, wie groß und schützenswert die Biodiversität im Biener Busch tatsächlich ist. Das Zusammenspiel aus dichten Pflanzenbeständen mit ihrer heterogenen Altersstruktur, pflanzenfressenden Insekten und geschickten Räubern bildet ein sensibles Gleichgewicht. Für uns ist nach diesem Tag klar: Wir müssen unseren Wald aktiv schützen, um diese faszinierende Flora und Fauna auch für die Zukunft aufrechtzuerhalten.




